Begriffe und Ziele

„Sterben lernen heisst leben lernen“

Palliativmedizin verbessert die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, welche mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind. Durch vorbeugende und therapeutische Massnahmen werden Schmerz und andere physische, psychische, soziale und spirituelle Probleme angegangen (www.who.int/cancer).

Bis anfangs des 20. Jahrhunderts befasste sich die Medizin mit der Linderung von Krankheitssymptomen, der Pflege und Begleitung der kranken Mitmenschen. Erst durch die atemberaubenden Fortschritte der Medizin, mit der die Erkennung und die Behandlung von Krankheiten möglich wurden, verlagerte sich die Pflege von Patienten mit fortgeschrittenen, lebensbedrohlichen Krankheiten ins Spital, es kam zur „Medikali­sie­rung“ des Sterbens bzw. zum Sterben im Spital. Diese Entwicklung führte immer deutlicher zu einem Konflikt zwischen dem medizinisch Machbaren und dem menschlich Sinnvollen. Aus dieser Spannung heraus gründete Dr. Cicely Saunders im Jahre 1967 das St. Christopher‘s Hospice mit dem Ziel, „die letzte Krankheitsphase zur Zeit der Versöhnung und Erfüllung für den Patienten und seine Familie werden zu lassen“. Aus diesen Anfängen entwickelte sich die moderne Palliativmedizin, wobei der Begriff die physische, psychische, soziale und spirituelle Begleitung umfasst. Obwohl die Begriffe im Lauf der Zeit wechselten (Palliativmedizin, Palliative Care, Supportivtherapie, Hospice Care, Terminal Care, End-of-Life Care etc.) so wird heute der Begriff Palliativmedizin (Palliative Care) als Teilgebiet der medizinischen Versorgung verstanden, das sich mit all jenen Massnahmen befasst, die zur Linderung von krankheitsbedingten Beschwerden führen. Palliativmedizin ist Teamarbeit mit dem Ziel, die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Palliative Care betrifft zahlreichste Teilgebiete der modernen Medizin. Das interdisziplinäre Team umfasst Ärzte, Pflegende, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Seelsorgende, Freiwillige, Angehörige, Freunde und Bekannte.

Wesentlicher Teil der Palliativmedizin ist letztlich die mitmenschliche Begleitung, so dass die Sterbenden auch in dieser Phase ihres Lebens nicht alleine gelassen werden – „die Menschen sollen an der Hand und nicht durch die Hand eines anderen sterben“ (Horst Köhler, deutscher Bundespräsident, 2005).